BERATUNGSSTELLE HOCHBEGABUNG MAINZ

Nachdenkliches

"Bevor ein Kind Schwierigkeiten macht, hat es welche."

 

Alfred Adler

Unsere innere Sonne

 

Unsere tiefste Angst ist nicht die, dass wir

abweichen von der Norm.

Unserer tiefste Angst ist die, dass wir

Berge versetzen können.

Unser Licht, nicht unser Schatten

erschreckt uns.

Wir fragen uns:

wer bin ich,

dass ich brillant, talentiert

und schöpferisch sein kann?

Warum eigentlich nicht?

Du bist ein Kind Gottes.

Dich klein zu machen,

dient der Welt nicht.

Es ist nicht weise, sich so einzuengen,

dass andere Menschen sich in deiner Gegenwart

unsicher fühlen.

Wir sind geboren,

um den göttlichen Funken in uns

sprühen zu lassen

Er ist nicht nur in einigen von uns,

sondern in allen Menschen.

Und wenn wir unsere innere Sonne scheinen lassen,
erwärmen wir unbewusst andere Herzen,

das Gleiche zu tun.

Wenn wir ohne Angst sind,

befreit unsere Ganzheit

andere von selbst.

 

Gedicht von Maryanne Williamson, frei übersetzt aus dem Englischen

von Joelle Huser und Romana Leuziger

 

Vorgetragen von Nelson Mandela

anlässlich seiner Antrittsrede zum Präsidenten

 

 

Die Schule der Tiere

 

 

Es gab einmal eine Zeit, da hatten die Tiere eine Schule. Der Unterricht bestand aus Rennen, Klettern, Fliegen und Schwimmen, und alle Tiere wurden in allen Fächern unterrichtet.

Die Ente war gut im Schwimmen, besser sogar als der Lehrer. Im Fliegen war sie durchschnittlich, aber im Rennen war sie ein besonders hoffnungsloser Fall. Da sie in diesem Fach so schlechte Noten hatte, musste sie nachsitzen und den Schwimmunterricht ausfallen lassen, um das Rennen zu üben. Das tat sie so lange, bis sie auch im Schwimmen nur noch durchschnittlich war. Durchschnittliche Noten waren aber akzeptabel, darum machte sich niemand Gedanken darum, außer: die Ente.

Der Adler wurde als Problemschüler angesehen und unnachgiebig und streng gemaßregelt, da er, obwohl er in der Kletterklasse alle anderen darin schlug, darauf bestand, seine eigene Methode anzuwenden.

Das Kaninchen war anfänglich im Laufen and der Spitze der Klasse, aber es bekam einen Nervenzusammenbruch und musste von der Schule abgehen wegen des vielen Nachhilfeunterrichts im Schwimmen.

Das Eichhörnchen war Klassenbester im Klettern, aber sein Fluglehrer ließ ihn seine Flugstunden am Boden beginnen, anstatt vom Baumwipfel herunter. Es bekam Muskelkater durch Überanstrengung bei den Startübungen und immer mehr „Dreien“ im Klettern und „Fünfen“ im Rennen.

Die mit Sinn für’s Praktische begabten Präriehunde gaben ihre Jungen zum Dachs in die Lehre, als die Schulbehörde es ablehnte, Buddeln in den Unterricht aufzunehmen.

Am Ende des Jahres hielt ein anormaler Aal, der gut schwimmen und etwas rennen, klettern und fliegen konnte, als Schulbester die Schlussansprache.

 

Entnommen dem Buch:

„Legasthenie muss kein Schicksal sein“ von

E.-M. Soremba; Lehrerin ; Herder Verlag 1995

 

 

Überforderung durch Unterforderung

Kinder sollen alles gründlich lernen
also
denken wir
müssen wir gründlich lehren
gründlich heißt
von Grund auf
und systematisch
also
denken wir
fangen wir mit der 1 an
natürlich nicht am ersten Schultag
doch nicht sofort
nicht gleich in den ersten Wochen
wir wollen ja
die Kinder nicht verprellen
1+1=2
bis Weihnachten haben wir uns
hochgearbeitet
bis zur 10 (zehn)
nun brauchen wir
wir alle brauchen nun eine Pause
wie gut dass Ferien sind
aber dann
irgendwann
und unausweichlich
ist Januar
soll ich nicht
vielleicht besser
doch warten bis
nach Karneval
oder trau ich mich
schon jetzt
heraus mit solchen
Ungeheuerlichkeiten
wie 5+6

 

schlaflose Nächte
es ist soweit
heute Kinder gibt es etwas ganz
besonderes
da platzt es aus einem heraus
laut und triumphierend
11
elf
nein jaa schon
nein Karli
so
einfach
ist das nicht
5+6 ist 5+5
und noch 1 dazu
weil 6 ist 5 und 1
und wenn Du von 6
1 abziehst ist das wieder 5
also musst du
der 6 die 1 nehmen
die behältst Du
im Kopf
oder in der Hand
oder in der Hosentasche
ich nehme jetzt die erste 5
die ganz unversehrte 5
gebe dann die angeknabberte
6 dazu
die ja eigentlich keine richtige 6 ist
und habe jetzt
aber Kinder das haben wir doch
Wochenlang geübt
wieso kann das keiner behalten
5+5 ist
also haben wir jetzt
10
natürlich
ganz sicher ihr könnt es glauben
aber 10 sind ja noch nicht genug
wir wollten
was wollten wir
ja richtig
wir wollten wissen
wir wollten doch

 

oder
also wir wollten wissen
wie viel 5+6 ist
was fehlt uns denn jetzt noch
Kinder ihr könnt
euch gar nichts merken
mein Gott sind die Kinder heutzutage
unkonzentriert
uns fehlt die 1
die 1 von der angeknabberten 6
na egal
die tun wir jetzt dazu
wie
wer hat gefragt wo dazu
jetzt
bist
du
dran
Karli
Karli wie viel ist 5+6
aber Karli schweigt
kein Wort kommt über seine Lippen
seine Augen schauen ins Leere
er ist nicht schulreif
denkt die Lehrerin
er verweigert die Leistung
ich rufe die Eltern an
der muss zum Schulpsychologen

 

Monika Kubovsky

 

Text über dem Eingang einer tibetischen Schule

Wenn ein Kind kritisiert wird, lernt es zu verurteilen.
Wenn ein Kind angefeindet wird, lernt es zu kämpfen.
Wenn ein Kind verspottet wird, lernt es, schüchtern zu sein.
Wenn ein Kind beschämt wird, lernt es, sich schuldig zu fühlen.

Wenn ein Kind verstanden und toleriert wird, lernt es, geduldig zu sein.
Wenn ein Kind ermutigt wird, lernt es, sich selbst zu vertrauen.
Wenn ein Kind gelobt wird, lernt es, sich selbst zu schätzen.
Wenn ein Kind gerecht behandelt wird, lernt es, gerecht zu sein.
Wenn ein Kind geborgen lebt, lernt es zu vertrauen.
Wenn ein Kind anerkannt wird, lernt es, sich selbst zu mögen.
Wenn ein Kind in Freundschaft aufgenommen wird, lernt es, in der Welt Liebe zu finden.